Wer ein WARUM zum Leben hat, erträgt fast jedes WIE.

Friedrich Nietzsche
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Salutogenese als Gegenentwurf zur Pathogenese

Jede und jeder kann ihre/seine Gesundheit beeinflussen!

Nach Aaron Antonovsky, er war ein israelisch-amerikanische Medizinsoziologe. Er entwickelte das salutogenetische Modell als Gegenentwurf zur Pathogenese und veröffentlichte 1979 das Buch „Health, Stress and Coping“.

Während bei beim pathogenetischen Ansatz angenommen wird, dass selbstregulierende, homöostatische Prozesse bei einer Krankheit entreguliert werden, sind beim salutogentischen Ansatz Heterostase, Unordnung und ständiger Druck in Richtung zunehmender Entropie für lebende Organismen charakteristisch.

Antonovsky definiert ein Gesundheits-Krankheits-Kontinuum und spricht davon, dass jeder Mensch zu jeder Zeit gesunde und kranke Anteile in sich vereint und dass Gesundheit als ein individueller Entwicklungs- und Erhaltungsprozess zu verstehen ist. In seinem Ansatz geht es nicht um Ursachen, warum Krankheiten entstehen oder um Risikofaktoren sondern um die Bedingungen von Gesundheit und Faktoren, welche die Gesundheit schützen und erhalten.

Zum Verständnis seiner Idee findet Antonovsky folgende Metapher: Jene Medizin, die sich ausschließlich mit der Entstehung und Behandlung von Krankheiten beschäftigt gleicht dem Versuch, Menschen mit hohem Aufwand aus einem reißenden Fluss zu retten, ohne sich Gedanken darüber zu machen, wie sie da hineingeraten sind und warum sie nicht besser schwimmen können.

Die Salutogenese hingegen fragt: Wie wird man, wo immer man sich in dem Fluss befindet, dessen Natur von historischen, soziokulturellen und physikalischen Umweltbedingungen bestimmt wird, ein guter Schwimmer?”

Trotz seiner Bedenken betont Antonovsky die Errungenschaften und die Wichtigkeit der Schulmedizin. Er kritisiert lediglich, dass die Schulmedizin mit ihrer Symptombehandlung meist nur die Spitze des Eisberges behandelt und zu wenig für die Gesundheit tut.

Die zentralen Ausgangsfragen, von Antonovsky lauteten: Warum bleiben Menschen trotz vieler potentiell gesundheitsgefährdender Einflüsse gesund? Wie schaffen sie es, sich von Erkrankungen wieder zu erholen? Was ist das Besondere An Menschen, die trotz extremster Belastung nicht krank werden?

Seine Forschungen zeigten, dass die individuelle Grundeinstellung eines Menschens gegenüber der Welt und dem eigenen Leben, die sowohl kognitiv als auch affektiv-motivational geprägt ist, darüber entscheidet wie gut Menschen in der Lage sind, vorhandene Ressourcen zum Erhalt ihrer Gesundheit und ihres Wohlbefindens zu nutzen. Antonovsky nannte diese zentrale Einflussgröße das Kohärenzgefühl (SOC Sense of coherence) abgeleitet von Zusammenhang, Stimmigkeit bzw. stimmiger Verbundenheit. Während der Sinn für Kohärenz ist angeboren ist, entsteht das Kohärenzgefühl durch Beziehungen, durch zwischenmenschliche Kommunikation. Das übergeordnete Streben nach Kohärenz kann dem übergeordneten Grundbedürfnis nach Stimmigkeit und den Begriffen Konsistenz und Kongruenz des berühmten Psychologen und Psychotherapeuten Klaus Grawe gleichgesetzt werden.

Das Kohärenzgefühl besteht aus drei Komponenten:

  • der Verstehbarkeit bzw. der Fähigkeit, die Zusammenhänge des Lebens zu verstehen,
  • die Handhab- bzw. Bewältigbarkeit, die Überzeugung, das eigene Leben gestalten zu können, vergleichbar dem Begriff „Selbstwirksamkeitserwartung“ nach Albert Bandura (Psychologe),
  • die Bedeutsamkeit des eigenen Lebens, der Glaube an den Sinn des Lebens, das Gefühl der Sinnhaftigkeit.

Alle drei Aspekte tragen zur Selbstbestimmung über das eigene Leben bei.

Modell der Salutogenese von Antonovsky (nach Antonovsky, 1979, S, 184 f. aus Faltermaier, 2017, S. 7)

 

Unter dem Begriff generalisierte bzw. allgemeine Widerstandsressourcen fasst Antonovsky individuelle, kulturelle und soziale Fähigkeiten und Möglichkeiten, also Widerstandskräfte zusammen, Probleme zu lösen und Schwierigkeiten zu meistern, die in Situationen aller Art wirksam werden.

Stressoren und daraus resultierende Stressbelastungen können Krankheiten auslösen, wenn sie mit ohnehin bestehenden Krankheitserregern und körperlichen Schwächen zusammentreffen. Die Ressourcen ermöglichen es, auch körperlich schädliche Spannungen zu bewältigen.

Die einzelnen Bausteine dieses Modells sind in dynamischer Wechselwirkung miteinander vernetzt, d.h. sie beeinflussen sich gegenseitig. Je nach Beschaffenheit wird eine Aufwärts- oder eine Abwärtsspirale ausgelöst.

Besondere Aufmerksamkeit ist dann gefragt, wenn es einem Individuum nicht gelingt, eine länger anhaltende Spannung zu lösen. Wenn sich diese Person als machtlos gegenüber der Welt fühlt kann sie nur ein gering ausgeprägtes Kohärenzgefühl und damit nur einen geringen Schutz gegen Krankheiten entwickeln.

Auch die Forschungen der Neuroimmunologie haben gezeigt, dass das Kohärenzgefühl den Organismus direkt beeinflussen kann. Es dient auch als Wahrnehmungsfilter für Stressoren und kann vorhandene Ressourcen mobilisieren – kurz, es macht Personen zu guten Schwimmern im mitunter lebensgefährlichen Lebensstrom.

Schwimmen und auch das Kohärenzgefühl können trainiert werden!

Um ein guter Schwimmer zu werden und sich sich im Gesundheits-Krankheits-Kontinuum in Richtung Gesundheit zu bewegen, ist also ein gestärktes Kohärenzgefühl und eine Relativierung der Stressoren wesentlich. Die Kunsttherapie hat sich als eine wirkungsvolle und effiziente Trainingsmethode behauptet, um das Kohärenzgefühl zu stärken und damit die Belastungs-Balance deutlich zu verbessern.

Kunsttherapie

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Kunsttherapeutische Begleitung

 

Quellenverzeichnis:
Goddemeier, C.: Aaron Antonovsky: Vater der Salutogenese, Ärtzeblatt PP 18, 2019
Bengel, J. et al.: Was erhält den Menschen gesund? Antonovskys Modell der Salutogenese – Diskussionsstand und Stellenwert. In: Forschung und Praxis der Gesundheitsförderung, Band 6, Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, Köln 2001

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